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Schon Sechstklässler wollten Infos

Berufsinformationstage in Gemünden erlebten abermals großen Zuspruch

Trotz rückläufiger Schülerzahlen meldeten die Organisatoren der Berufsinformationstage Main-Spessart (BIT MSP) wieder einen ähnlichen Zuspruch wie in den Vorjahren. Koordinator Manfred Goldkuhle zog in der Gemündener Scherenberghalle am Samstagnachmittag eine durchweg positive Bilanz.

Die Veranstaltung sei etabliert, stellte Goldkuhle fest, was die 1100 Schüler der Schulklassen am Freitag und die 1200 Besucher am Samstag bewiesen. Pressesprecher Holger Steiger vom Landratsamt hob hervor, dass die Podiumsdiskussionen „Richtige Wahl der Wahlpflichtfächergruppe“ und „Wege zum Abitur – und was dann?“ von jeweils 100 Besuchern genutzt wurden. Auch das an beiden Tagen angebotene Bewerbungstraining fand regen Zuspruch. Goldkuhle würdigte den Einsatz der Firmen, deren Präsenz mit allen Nebenkosten mitunter bis zu 20 000 Euro kosten könne.

Landesberufsbildungswart und Bezirksschornsteinfegermeister Paul Schmitt erklärte am Stand der Kaminkehrer vor allem den weiblichen Interessenten, dass in seinem Handwerk mittlerweile zehn Prozent der Azubis Mädchen sind und sich das Berufsbild vom rußgeschwärzten Glücksbringer zum fachkundigen Umweltberater gewandelt hat.

Mit dem Zuspruch am Freitag waren Schmitt und sein Standnachbar Eberhard Imhof vom Hotel- und Gaststättenverband nicht vollständig zufrieden. Ihnen kamen manche Schüler etwas unmotiviert vor. Generell, meinten sie, sollten die Kinder in der Schule noch besser auf das praktische Berufsleben vorbereitet werden.

Manfred Goldkuhle widersprach diesem Eindruck und verwies auf die enge Zusammenarbeit mit den Schulen und den Lehrern im Vorfeld der Veranstaltung. Der Vorsitzende der Bäckerinnung Mainfranken, Josef Kümmert, pflichtete ihm bei. Die jungen Besucher hätten gezielt gefragt, was man arbeiten müsse, was man verdiene und welche Entwicklungsmöglichkeiten man als Bäcker oder Konditor habe.

Ein anderes, berufsspezifisches Thema sprach Bezirksrat Johannes Sitter am Stand der Krankenhäuser an: Für die Kreiskrankenhäuser und für das Bezirkskrankenhaus in Lohr werden händeringend männliche Krankenpfleger gesucht. Kreisjugendpflegerin Andrea Schön ergänzte, dass auch in der Kindererziehung zu wenig Männer tätig seien: „Wir brauchen Pädagogen als Vorbilder für die Jungs; Frauen und Mädchen ticken einfach anders.“ Am 23. April besteht für interessierte männliche Schulabgänger die Möglichkeit – analog zum Girls' Day – im Bezirkskrankenhaus ein eintägiges Praktikum zu absolvieren.

Thomas Michaelis von der Firma Bosch Rexroth stellte gegenüber dem Vorjahr eine Steigerung der Nachfrage fest. Außerdem nähmen die Schüler im Gegensatz zu früher das Thema Beruf ernster, was man nebenbei auch am Verhalten und an der Kleidung erkennen könne.

Den Eindruck eines gesteigerten qualifizierten Besucheraufkommens bestätigt Thomas Schäbler, zuständig für Aus- und Weiterbildung bei der Firma Braun. Schade sei es nur, dass am Freitag zu viele Schulklassen in zu kurzer Zeit durchgeschleust werden müssen. Insgesamt sei als Trend zu beobachten, dass immer mehr Schüler der sechsten und siebten Klassen sich bereits kundig machen und gezielt fragen. Schäbler wertet die Berufsinformationstage als „immens wichtig“ für den Standort Main-Spessart.

Auch die angesprochene Zielgruppe sah an den beiden Tagen die Informationsquelle „BIT MSP“ für die Ausrichtung ihres weiteren Lebensweges durchweg positiv: Jessie Kelsey aus Wiesthal besucht die siebte Klasse der Hauptschule in Wiesthal und möchte später „etwas in Richtung Sprachen“ machen, beispielsweise als Fremdsprachenkorrespondentin arbeiten. Bei den Fachleuten der Würzburger Dolmetscherschule hat sie sich deshalb mit Informationsmaterial eingedeckt.

Dagegen ist der Beruf des Orgelbauers ein Kunsthandwerk, erklärte Orgelbauer Martin Karle aus Zellingen der aus Schwebenried stammenden Realschülerin Sophia Kupka. Das Gehör für die Töne könne man lernen, machte er der Siebtklässlerin Mut, die sich angesichts der komplexen Aufgabenstellung allerdings etwas zögerlich zeigte, dem Beruf spontan zuzusagen.

Am Stand der Kaminkehrerinnung informierte sich Carolin Huter aus Wernfeld, die mit 18 Jahren bereits in der Ausbildung zur Elektronikerin steht. Sie schaut sich immer noch gerne um, ob es nicht doch etwas gibt, was sie noch mehr reizen könnte.

Pünktlich um 14 Uhr bedankte sich Manfred Goldkuhle am Samstag über den Lautsprecher in der sich leerenden Halle bei allen Teilnehmern für die beiden Tage und lud sie ein, im nächsten Jahr wieder dabei zu sein.

Von unserem Mitarbeiter Ferdinand Heilgenthal